Wer schreibt, der bleibt.
Marco schreibt
Zurück zu den Wurzeln
Schweizer Präzision matcht kapverdische Herzlichkeit
Ciao zäme, manera pesual.
Mein Name ist Marco. Geboren am 03.03.2003 in der für mich besten und schönsten Stadt auf dieser Erde – Mindelo. Sohn eines Schweizers und einer Kapverdierin. Anfang des Jahres 2025 habe ich den Entschluss gefasst, zu meinen Wurzeln zurückzukehren. Doch wie kommt es dazu, dass sich ein 22-jähriger Typ, der in der Schweiz aufgewachsen ist, dafür entscheidet, in ein Land wie Kap Verde zu ziehen? Dafür muss ich wohl etwas ausholen…
Ich bin mit 3 Jahren mit meinen Eltern in die Schweiz gezogen. Mein Vater hatte damals eine Firma auf den Kapverden, die sauberes Trinkwasser für die gesamte Bevölkerung sicherstellen sollte. Doch leider ging es mit der Firma bergab, sodass sich mein Vater aufgrund dessen dazu entschied, mit uns zurück in die Schweiz zu ziehen. Vom Umzug habe ich natürlich nicht mehr viel vor Augen, doch ich kann mich daran erinnern, dass es für mich trotz meiner blutjungen 3 Jahre eine große Umstellung war… anderes Essen, andere Kultur, andere Mentalität und vor allem ein anderes System. Da hiess es damals erst einmal ankommen. Das sollte doch mit der Zeit nicht so schwer sein für einen 3-Jährigen… oder?
Naja, dieses Gefühl von „erst mal ankommen“ zog sich durch meinen ganzen weiteren Werdegang. Ich merkte immer, dass da etwas fehlt. Ich will hier aber auf keinen Fall meine Verbundenheit zur Schweiz kleinreden. Ich liebe es, durch die Strassen von Zürich zu laufen, im Sommer an den Letten schwimmen zu gehen, am Zürichsee mit Freunden zu grillieren oder mit meinem geliebten FC Zürich durch die ganze Schweiz oder darüber hinaus zu reisen und neue Stadien kennenzulernen. All diese Dinge – und noch viel mehr – bedeuten für mich Zuhause.
Die Schweiz ist ein Teil von mir, und ich trage diesen mit Stolz.
Doch wirklich das Gefühl, in seiner kompletten Vollkommenheit zuhause zu sein, hatte ich nur auf den Kapverden. Ich sagte mir immer: Ach Marco… das ist doch einfach nur dein momentanes, naives, kindliches Denken. Das wird sich schon legen mit der Zeit. Als ob du irgendwann nach Kap Verde ziehst – geschweige denn, als ob du dort überhaupt je eine vernünftige Perspektive haben wirst. Ob sich diese Sehnsucht irgendwann einmal wirklich gelegt hat? Nein, das hat sie nicht.
Viele werden das wohl nicht verstehen, doch ihr müsst euch vorstellen: Die ersten Schritte, die ich auf dieser Welt machen durfte, waren hier auf kapverdischem Boden, in meiner Nachbarschaft Vila Nova. Das erste Mal die Augen geöffnet, die erste Sprache, die aus meinem Mund kam, das erste Mal gespürt, was Familie und Gemeinschaft heissen… all diese Dinge – und noch einige mehr – brachten mir eine tiefe Liebe und Verbundenheit, die ich nie „kappen“ oder „abschwächen“ konnte.
Um dieses Gefühl woanders zu suchen, habe ich die Ferne gesucht. Ich war ohnehin schon immer einer, der sich für andere Kulturen interessierte und einmal in einem anderen Land leben wollte. Daher bin ich nach Portugal gezogen, was sich perfekt anbot, da dort die kapverdische Kultur durch die ganze Diaspora gut vertreten ist. Auch dort hatte ich eine wundervolle Zeit und habe sehr viel Neues gesehen und erlebt, doch das Gefühl, das ich suchte, war dort auch nicht zu finden. Also bin ich nach einem Jahr zurück in die Schweiz und habe mich dem „Business as usual“ zugewandt.
Eines Tages, nach einem Kapverden-Urlaub allerdings, war ich am Surfen im Netz und tippte aus Langeweile einfach mal ein: Deutschsprachige Jobs in Kap Verde. Ich dachte mir nichts dabei und erwartete auch nicht wirklich etwas. Doch dann bin ich zufällig auf die Vista Verde Tours Seite gestossen und habe dort genau so eine Stellenausschreibung gesehen.
BOOM!
Ich war erst einmal ein bisschen überwältigt, so eine Ausschreibung überhaupt zu sehen. Danach habe ich aber keine Sekunde gezögert und sofort eine Bewerbung geschrieben und abgeschickt. Ich dachte mir: Diese Stelle muss und werde ich bekommen.
Und siehe da – da bin ich!
Vom Zürichsee an den Strand von Laginha, von Raclette und Rösti zu Catchupa und Feijoada und vom regelmässigen Singen und Schreien im Stadion zum Züchten von Hühnern im Hinterhof.
Ich bin natürlich nicht naiv und weiss, dass sich mit meinen jungen 22 Jahren noch so einiges ändern kann und mein Weg mich vielleicht auch noch ganz woanders hinführen wird als hier. Doch vorerst kann ich mit vollster Überzeugung sagen: