Herzlich Willkommen bei vista verde tours – dem Reisespezialisten auf den Kapverdischen Inseln!


Wir sind stolz darauf, dass wir trotz dieser besonderen Zeit immer noch am Leben sind. Mehr als 18 Monate ohne Einkommen zu meistern, ist eine Herausforderung, die neu für uns war und nach wie vor ist.

Mehr denn je ist uns für das Land und die Menschen wichtig, dass wir weiterhin die Philosophie des nachhaltigen Tourismus mit unseren zahlreichen Partnern vor Ort verfolgen.
Wir sehen nun für den Herbst ein Licht am Ende des Tunnels.
Die ersten Reisenden haben sich angekündigt und wir sind mit unseren lokalen Servicepartnern vorbereitet auf die Umsetzung der Hygienestandards. Auch ist die Impfquote hier im Land schon recht hoch.
Uns geht es vor allem darum, dass Menschen hier wieder ihrer Arbeit nachgehen können und unsere Gäste mal Corona – soweit das geht – für einen Moment vergessen und unbeschwert die Zeit hier vor Ort genießen können.
Hoffentlich bis bald!
Herzlichst
Heike Alter
Mindelo im Herbst 2021

 

Leider haben Sie noch nicht das nötige Lebensalter erreicht.
vista verde tours
25.07.2021

Interview mit Zau: Mama, Oma und Strassenverkäuferin in Mindelo auf São Vicente

"Die schlimmsten Momente waren während der Pandemie"

Strassenverkauf auf den Kapverden

Ein Gespräch über ihren Alltag, über den Verkauf auf der Strasse und ihr Leben.

Zau sitzt mitten in Mindelo, direkt am belebten Praça Novo. Der Regenschirm schützt sie vor der Sonne. Ihren kleinen Stand hat sie vor der CV Telecom aufgebaut, er besteht aus wenigen Hockern auf denen in traditionellen Körben Süssigkeiten angeboten werden. In der Pandemie fehlen die Touristen, doch Zau behält ihren Optimismus.

 

vista verde tours: Stell dich doch bitte kurz selber vor. Wer bist du? Wie alt bist du? Wie lange betreibst du deinen Verkaufsstand, was hast du sonst gemacht? Wie groß ist die Familie die du ernähren musst?
Zau: Mein Name ist Isaura dos Santos Neves, bekannt als Zau und ich bin 58 Jahre alt. Ich habe 1987 angefangen auf der Straße zu verkaufen als der Vater meiner Kinder seine Arbeit verloren hat.
Damals habe ich nur nachts gearbeitet, von 18:00 bis etwa 00:00 Uhr, da ist auf den Straßen hier in Mindelo am meisten los.
Es gab damals den Eden Park, ein altes Kino; es gab Musiker die jeden Sonntag auf der Praça Nova für die Kleinen auftraten. All das hat die Leute bewegt, durch die Straßen zu ziehen bei Nacht.
Wir hatten viele Probleme mit der Polizei und ich wurde oft auf die Polizeiwache gebracht.
Meine Kinder waren klein, ich musste sie zur Arbeit mitnehmen und sie schliefen auf der Straße bis ich aufbrach um nach Hause zu gehen. Es war sehr anstrengend und ermüdend, so das ich 1993 aufhörte auf der Straße zu verkaufen.
Ich fing an in Hotels zu arbeiten und Wäsche zu waschen oder auch als Hausmädchen habe ich gearbeitet. Aber alles nichts Sicheres was mich schließlich dazu brachte, den Verkauf doch wieder aufzunehmen.
Im Moment lebe ich mit meinen 2 Kindern und 2 Enkelinnen (Studentinnen) zusammen, wir sind 5 Personen im Haushalt und alle sind von mir abhängig.

vista verde tours: Hast du eine 7 Tage Woche, was bestimmt deinen Rhythmus? Wer vertritt dich, wenn du krank bist?
Zau: Ich verkaufe hier auf der Straße von Montag bis Samstag von 09:30 bis 17:30 Uhr.Auch wenn ich krank bin arbeite ich.

vista verde tours: Du hast mir erzählt, dass du Kinder hast – greifen sie dir auch hier im Verkauf unter die Arme? Sind deine Kinder alle auf São Vicente geblieben?
Zau: Ich habe drei Kinder, 2 Söhne und eine Tochter. Alle sind auf São Vicente geblieben. Den Verkauf mache ich ganz alleine.

Strassenverkauf Kapverden

vista verde tours: Hast du deinen Verkaufsplatz übernommen oder selber aufgebaut? Wie bekommt man in Mindelo einen Standplatz – gibt es so etwas wie ein „Erbrecht“ oder ist es eher „first come – first serve“? Musst du deinen Standplatz „verteidigen“ also gibt es sowas wie "Territoriumskämpfe" unter den Verkäuferinnen?
Zau: Der Standort muss strategisch günstig gewählt werden und das ist sehr schwierig da es viele Streitigkeiten zwischen den Verkäufern gibt. Wenn der Standort ausgewählt ist, wird die Info verbreitet und die anderen Verkäufer respektieren das.

vista verde tours: Hast du schon einen anderen Standplatz ausprobiert? Warum bist du jetzt genau hier?
Zau:  Ich habe in verschiedenen Teilen der Stadt schon verkauft, vor allem nachts. Jetzt arbeite ich nur noch tagsüber vor der CV Telecom

vista verde tours: Regen ist ja jetzt nicht das große Problem auf São Vicente, ganz im Gegenteil. Wie schützt du dich vor der Hitze, du bist ja den ganzen Tag draußen?
Zau:  Regen ist jetzt wirklich kein Problem zumal wir viele Jahre Trockenheit hatten. Aber in den Jahren in denen es Regen gab, hatte ich viel Verlust weil ich normalerweise nicht sofort zusammenpacke sondern abwarte und bleibe, solange es möglich ist. Um mich vor Regen oder Sonne zu schützen, benutze ich einen Regenschirm.

vista verde tours: Habt ihr im Straßenverkauf staatliche Kontrollen? Kann man im Prinzip den ganzen Tag bleiben oder gibt es „Standzeiten“ von offizieller Seite?
Zau: Nein, es gibt keine staatlichen Kontrollen und wir zahlen keine Steuern. Wir haben unsere regelmäßigen Standzeiten die wir einhalten. Die Beamten, die die Straßen kontrollieren, stören mich nicht es sei denn sie schneiden den Zugang ab oder wenn wir alkoholische Getränke verkaufen.

vista verde tours: Woher beziehst du deine Waren? Ich sehe bei dir nur verpackte Naschereien, hat das einen bestimmten Grund? Gibt es da Vorschriften?
Zau: Die Produkte kaufe ich im lokalen Großhandel. Alle Produkte sind verpackt da sie den ganzen Tag in der Sonne liegen.

vista verde tours: Du hast keine Preisschilder, wie machst du deine Preise, also gibt es Unterschiede zwischen Einheimischen und Touristen? Magst du uns verraten wieviel Umsatz du am Tag machst und ob dein Verdienst durch den Straßenverkauf zum Lebensunterhalt ausreicht?
Zau: Die Preise orientieren sich am Einkaufspreis. Nein, es gibt keinen Preisunterschied für Einheimische oder Touristen. Ich verdiene weniger als 1.000cve pro Tag (Anmerkung 1.000cve = 9,06 €). Ich mache mehr Umsatz, wenn wir ein Fest oder eine Veranstaltung in der Stadt haben  - zum Beispiel im Karneval wo wir dann auch andere Dinge verkaufen und die entsprechende Nachfrage größer ist.
Das Einkommen aus dem Verkauf auf der Straße reicht mir nicht aus, um davon leben zu können. Zusätzlich zu dem Einkommen aus dem Straßenverkauf habe ich eine kleine monatliche Rente die mir hilft, die Miete für das Haus zu bezahlen. Was ich hier verdiene reicht um zu essen, Wasser und Strom zu bezahlen und die Vorräte aufzustocken. Ich habe versucht, staatliche Unterstützung zu beantragen, auch bei sozialen Einrichtungen, aber ohne Erfolg.

vista verde tours: Was machst du mit den Süßigkeiten über Nacht oder an Feiertagen. Hast du eine Art „Lager“? Räumst du sie jede Nacht weg?
Zau: Ich bewahre alles hier in der Nähe des Standes bei einem Freund auf weil ich sonst morgens und nachmittags den Transport bezahlen müsste.

vista verde tours: Hast Du schon einmal daran gedacht, dein Sortiment zu erweitern? Ich könnte mir gut vorstellen, dass du auch frisches „finger-food“ anbieten könntest, ähnlich wie die Pasteis Verkäuferinnen am Strand.
Zau: Ich habe schon darüber nachgedacht aber die Nachfrage ist nicht groß genug. Das mache ich nur, wenn es große Veranstaltungen in der Stadt gibt, wie zum Beispiel am Karneval.

vista verde tours: Du kennst hier wahrscheinlich alle, und jeder kennt dich. Die Gemeinschaft prägt euch hier im Straßenbild in Mindelo. Was bedeutet diese Gemeinschaft für dich? Habt ihr Straßenverkäuferinnen in Cabo Verde einen Dachverband, seid ihr in einer Art Gewerkschaft, arbeitet ihr im Kollektiv oder ist jede für sich eine „Einzelkämpferin“?
Zau:  In all den Jahren, in denen ich im Straßenverkauf arbeite, habe ich viele Menschen kennengelernt und viele gute Freunde gefunden. Auf der Straße bin ich als Zau bekannt. Die Verkäuferinnen hier sind in keiner Gewerkschaft. Früher waren wir mehr gemeinsam organisiert, aber heute ist jeder für sich alleine und Gott ist für alle.

vista verde tours: Welche Auswirkungen hat die Corona Pandemie auf deine Tätigkeit, kannst du im Strassenverkauf die Corona Regeln einhalten?
Zau: Die schlimmsten Momente die ich erlebte, waren während der Pandemie. Ich konnte nirgendwo nach Geld anfragen um meine Familie zu unterstützen.
Ich habe während der Pandemie versucht Hilfe für bedürftige Familien oder Straßenverkäufer zu bekommen, aber ich bekam keine Rückmeldung. Ich hatte schwierige Zeiten, aber Gott ist großartig.
Ich trage meine Maske und ich habe mein Alkohol-Gel. Wenn jemand etwas kaufen will, bediene ich ihn. So fassen die Käufer meine Produkte nicht an. Und jeden Tag mache ich alles gründlich sauber.

Herzlichen Dank an Zau und Maria für dieses Interview, das Mitte Juli 2021 in Mindelo auf São Vicente auf Kreol von unserer Kollegin Maria Delgado geführt wurde.

Strassenverkauf in Mindelo, Kapverden

Kontakt

+238 9930788 office@vista-verde.com